Wie füllt man die erste Seite?

 

Kaffe ist da, der Tisch aufgeräumt, Idee gehabt, alles klar! Los geht's! ... Und dann passiert nichts.

 

Wie fängt man überhaupt an? Wie schreibt man die ersten Sätze? Wie fülle ich diese leere Seite?

Das ist tatsächlich gar nicht so einfach. Wenn es euch einmal schwer fällt die ersten Worte zu Papier zu bringen oder auf dem Rechner zu tippen, ist es vielleicht Zeit sich hinzusehen und zu fragen: "Warum?".

 

Perfektionismus

Der Wunsch nach Perfektion ist meiner Erfahrung nach am häufigsten das Problem.

Da liest man all diese unglaublich fantastischen Bücher und setzt sie sich unterbewusst als Maßstab. "So schreibt man ein Buch, genau so."

Dass besagtes Buch zu Anfang vielleicht nicht so perfekt war wie jetzt im Laden, vergisst man gerne. Stattdessen setzt man sich selbst unter Druck mit dem ständigen Gedanken "Das ist nicht gut genug", was dazu führt, dass man entweder gar nichts zu Papier bringt, oder aber die Wörter und Absätze ständig wieder löscht.

Man blockiert sich also selbst.

 

Vorbilder zu haben ist eine tolle Sache, trotzdem solltet ihr euch selbst mehr Freiraum geben zu Lernen und gnädiger mit euch sein. Erlaubt euch am Anfang ruhig nicht so gut zu schreiben. Ihr könnt die Geschichte schließlich so oft ihr wollt umändern, auch im Nachhinein. Genau das machen professionelle Autoren nämlich auch oft. Das fertige Buch, das ihr zu Hause lest ist meist das Produkt mehrerer Überarbeitungen vom Autor und dem Verlagslektorat.

 

Solltet ihr einer der Wortlöscher sein, könnt ihr auch folgendes probieren: Schreibt mehrere Absätze oder mindestens eine halbe Seite, ehe ihr überhaupt etwas löscht. Dann dürft ihr drüber gucken und kleine Änderungen vornehmen, wenn ihr zum Beispiel ein Wort doppelt habt oder Rechtschreibfehler entdeckt. Mehr nicht. Versucht euch das Löschen im großen Stil abzugewöhnen und respektiert euer Werk, auch wenn es noch nicht perfekt ist. Eine andere Methode ist, die Teile aus der Geschichte, anstatt sie zu löschen, in ein anderes Dokument oder in einen Papierorder zu verschieben. So würdigt ihr eure geschriebenen Zeilen entsprechend und habt sie trotzdem aus der Geschichte raus.

 


Das Allererste

Diese Variante kommt meist in Kombination mit Perfektionismus, hat aber einen anderen Auslöser. Die Gedanken "Das ist nicht gut genug", sind die Gleichen, aber dieses Mal ist es nicht das Idol dem nachgeeifert wird, sondern die erste Seite, die das Problem hervorruft. Die erste Seite hat einen bestimmten Reiz. Es ist das Allererste, was der Leser zu sehen bekommt, das Allererste, was ihr als Autoren in Angriff nehmt. Das hat eine gewisse Spannung die einen ganz schön reinlegen kann.

 

Wenn ihr davon betroffen seid, gibt es einen leichten Trick: Überspring die erste Seite komplett und fangt mit der zweiten an. Oder schreibt ein paar willkürliche Zeilen, lasst eure Hand einmal wild über die Tastatur fahren und geht dann zur zweiten Seite über.

 

Zu radikal?

Dann schreibt auf die erste Seite den Titel, beziehungsweise den Arbeitstitel in großer Schrift, darunter noch euren Namen und fangt dann auf der zweiten Seite an. So ist die erste Seite sinnvoll gefüllt und ihr könnt entspannt auf der zweiten schreiben. Ein Anfang ist damit schließlich schon gemacht.

 


Die Farbe Weiß

Ein weiteres, faszinierendes Phänomen ist das Gefühl der Beschmutzung einer weißen Seite. Sie ist so wunderschön sauber und rein, Dinge für die die Farbe Weiß in vielen Kulturen steht. Auch das kann unterschwellig zu Zögern führen.

 

Ein Trick hier ist, sich die Seite am Computer einzufärben oder, wenn ihr traditionell arbeitet, euch andersfarbiges Papier zu holen, zum Beispiel mit einem leichten Gelbstich.

Schwupps schon kann es losgehen!

 


Übung: Papers of Nonsense

 

Wenn ihr mal das Gefühl habt, es nützt alles nichts oder ihr seid verkrampft beim Schreiben, dann helfen vielleicht die "Papers of Nonsense". Das ist etwas, was ich selbst gerne mache, wenn ich nicht richtig in den Schreibfluss komme oder einfach mal lockker sein will.

 

Das Prinzip ist simpel. Schnappt euch Papier oder öffnet ein neues Dokument auf eurem Rechner und dann schreibt einfach drauf los. Achtet auf rein gar nichts. Keine Grammatik, keine Rechtschreibung, keine Logik. Was auch immer ihr schreibt muss nichts bedeuten aber es sollte irgendwie eure Gedanken repräsentieren.

 

Wenn eure Gedanken gleichzusetzen sind mit "Meeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeh... blip!", dann ist das eben so. Wenn es eine Geschichte über eine sprechende Zwiebel und einen Matrosen ist, dessen Cousin eine Kartoffel ist, dann schreibt das auf. Es kann genauso gut eine wirre Aneinanderreihung von Wörtern und Zahlen sein. Es geht nur darum eure Gedanken direkt und ungefiltert auf das Papier zu bringen.

 

Die eigene Zensur auszuschalten ist nicht immer leicht, deshalb ist es auch eine Übung. Es kann ein paar Versuche brauchen, bis ihr soweit seid ungehindert eure Worte und Gedanken zu Papier zu bringen.

 

Seid ihr fertig oder habt das gefühl es fließt richtig gut, könnt ihr aufhören und euch an euren eigentlichen Text setzen. Was ihr mit den Papers of Nonsense macht, ob ihr sie löscht, verbrennt, aufbewahrt, etc. ist ganz euch überlassen.

 

Also viel Spaß und "Nonsense away!"